[Gegengift] Meditation – How to stop the Mindfuck

(Lesezeit ca. 8 Minuten)

Bewusstseinserweiterung für Schnelldenker

Kennst du das? Kurz vor dem Einschlafen und kurz nach dem Aufwachen passiert es: Du liegst wach und bist deinen Gedanken hilflos ausgeliefert. Der Morgen und der Abend, wenn der Geist noch mit keinem Projekt wie Frühstück oder E-Mails beschäftigt ist, ist die Zeit für Mindfuck. Dieser Beitrag ist das Gegengift.

Nichts passiert ohne Grund

Das Unterbewusstsein ist der große Buchhalter, der genau registriert was wirklich auf der Soll- und der Habenseite vorhanden ist. Auf der Bewusstseinsebene möchten wir vielleicht den Traum von Freiheit genießen und ausbrechen aus unserem Leben: aus dem Korsett eines 9 to 5 Jobs, einer falschen Beziehung oder den Verstrickungen einer Sucht.
Doch das Unterbewusstsein ist anderer Meinung. Es hat Bilanz gezogen und gesehen, dass zwei wichtige Fähigkeiten nicht zur Verfügung stehen: Durchhaltewillen und Vorstellungskraft. Deshalb wählt das Unterbewusstsein – schlau und realistisch wie es ist – immer wieder Projekte aus, die entweder im Sande verlaufen oder wenig Verantwortung erfordern. Dabei fallen die Schwächen nicht ins Gewicht. Das Bewusstsein wird immer wieder Fehlschläge registrieren, doch aus der Sicht des Unterbewusstseins haben sie ihren tieferen Sinn.


Wenn dir eine Unstimmigkeit bewusst wird, so kannst du sicher sein, dass dein Unterbewusstsein stark genervt ist.
(Dr. Christian Zippel – Bring den Müll raus)

Gedanken sind wie Wellen

Eine Welle ist nichts anderes als Windenergie, die sich zwischen einzelnen Wassermolekülen überträgt. Wind streicht über die Wasseroberfläche und kräuselt diese. Diese winzigen Wellen sind wie kleine Segel, die immer mehr von der Kraft des Windes aufnehmen und damit größere Wellen erzeugen. Die größeren Massen gewinnen an Tempo, breiten sich aus und verwandeln sich in die Dünung.

Im Grunde ist dabei nur sehr wenig Wasser wirklich in Bewegung. Und obwohl eine Welle absolut real ist und einen festen Körper zu haben scheint, hat sie doch etwas von einer Illusion. Die Dünung – auch Swell genannt – bewegt sich in einer komplizierten Spiralbewegung, die ihr Fühler und Beine verleiht, durch das Meer. Wenn ein Swell seichtes Gewässer erreicht, in etwa zwei mal so tief wie die Welle, berühren die Fühler das Riff, die Sandbank oder die Felsen und die wirbelnde Energie entlädt sich. Der obere Teil des Swells behält die ursprüngliche Geschwindigkeit bei, während der untere Teil abrupt abgebremst wird. Die Welle bäumt sich über sich selbst auf, bis sie schließlich in sich zusammenbricht. (Jaimail Yogis – Surfing Buddha)

Die Moleküle unserer Körpers sind permanent in Bewegung und verändern sich im Laufe der Zeit. Der Körper besteht zu 80% aus Wasser, man könnte also sagen, dass unsere Gedanken und Gefühle eine Reaktionskette sind, die die Energie von Molekül zu Molekül weiter geben und sich verhalten wie Wellen.

Berlin 2009.

„Mehrere Wochen hatten wir im Studio am Debütalbum gearbeitet. Als Dankeschön schenkten mir die Musiker eine kleine Buddhafigur. Es war ein perfekt symmetrischer, weißer Buddha mit einem Ausdruck absoluter Gelassenheit. Zuerst hatte ich keine Verwendung für die Figur, doch als ich mich drei Jahre später an einem Wendepunkt in meinem Leben befand, bekam Little Buddha doch noch eine Aufgabe: Ich bastelte mir einen kleinen Altar, begann zu meditieren und Little Buddha wurde Teil meines täglichen Rituals.“

Ich fand einen Platz in meiner Wohnung, saß kerzengerade da und wartete.

„Ich begann mit der Technik des Stillsitzens und des Atemzählens. Einatmen, Atem anhalten, Ausatmen, Atem anhalten… Nach drei Minuten fühlten sich meine Knie an, als würden sie in Flammen stehen. Ich verkürzte meinen Plan von ursprünglich 20 Minuten Stillsitzen auf 10 Minuten. Ich schaffte es jedoch kaum eine halbe Minute, ohne dass mein Geist rebellierte.

Mein Körper leistete erbitterten Widerstand gegen das Stillsitzen und meine Gedanken terrorisierten mich. Ich dachte, dass ich es wäre, der seine Gedanken kontrollieren würde. Doch ebenso, wie das Meer keineswegs die Wellen kontrolliert, so schienen meine Gedanken sich ebenfalls von ganz allein zu bewegen. Sie schlugen wild übereinander und mein verwirrter Geist fand keine klare Linie, an der er sich orientieren konnte. Keine Möglichkeit, durch die Gedankenwellen durchzutauchen.“


Bild Pexels.com: Die meisten Menschen halten es keine Minute mit sich alleine aus, ohne etwas zu tun.

Das edle Scheitern

Der erste Versuch einer Meditation führt unweigerlich zu einer ernüchternden Entdeckung. Wir beherrschen diese Technik überhaupt nicht und leider ist mit geschlossenen Augen herumzusitzen und die Aufmerksamkeit schweifen zu lassen, noch kein Bewusstseinstraining.

Wir können unser Bewusstsein nicht einmal ein paar Sekunden lang auf unserem Atem ruhen lassen, ohne abzuschweifen. Es ist ein sehr einfacher Gegenstand, auf den sich unser Bewusstsein richten soll – der Atem. Und eine höchst einfache Aufgabenstellung: Bleib dran! Bleib bei deinem Atem!

Aber Lassie läuft davon, um zu spielen.


Bild: Pexels.com

Es ist sicher ein Versagen, denn wir merken, dass unser Bewusstsein einfach nicht bei der Sache bleiben kann. Aber zugleich ein edles Versagen, denn es bringt uns an einen Punkt, von dem aus wir – vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben – Einblick nehmen in das Wesen eines gewöhnlichen Geistes. Wenn wir nachzuforschen beginnen und die Büchse der Pandora öffnen, müssen wir erkennen, dass wir ein schwieriges neues Gebiet betreten haben.

Wohin begibt sich das Denken? In die Vergangenheit. In die Zukunft. Es gibt sich Träumereien hin. Fantasien. Fröhlich springt Lassie herum. Nur im gegenwärtigen Augenblick kann sie nicht bleiben.

Wenn wir mithilfe einer Meditationstechnik die Aktivitäten unseres Geistes untersuchen, sind wir meist schockiert über das, was wir da vorfinden. Es ist ein Wirrwarr von unzusammenhängenden Gedanken – Reaktionen auf Gefühle, Erinnerungen, Vorstellungen – außer Rand und Band.

Trotz dieses unzweifelhaften Versagens, mit dem jeder fertig werden muss, ist diese erste Erfahrung außerordentlich befreiend. Selbst der Gedanke, mit dem man sich immer wieder daran erinnert, seine Aufmerksamkeit auf den Atem zu richten, scheint eine tiefgreifende Wirkung zu haben. Warum?

Der innere Wächter bemerkt, wenn Lassie losrennt

In dem Augenblick, in dem wir bemerken, dass die Aufmerksamkeit vom Gegenstand der Konzentration abschweift, hat der beobachtende Geist die Gelegenheit, genau zu sehen, wo Lassie gewesen ist.

• Ich habe gerade vor mich hin geträumt.
• Ich habe gerade an die Zukunft gedacht und mir Sorgen gemacht.
• Ich dachte eben an die Vergangenheit und wie einfach früher alles war.

Mit zunehmender Übung erkennt dieser neu erwachte Zeuge unweigerlich ein Muster im Strom der Gedanken, denen wir vom Ruhepol des Atems aus folgen. Wir werden Zeuge des inneren Geschwätzes, das unbewusst unser Verhalten in jedem Augenblick steuert. Während wir versuchen ein stiller Beobachter zu werden, merken wir, was das Ego eigentlich für ein Schwätzer ist.

Aber worüber redet es eigentlich die ganze Zeit?

Ich stehe in der Schlange, um mir eine Portion Pommes zu kaufen. Während ich da so mit knurrendem Magen in der Reihe stehe und meinen Geist beobachte, gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf: „Bekommt der Typ da vorne etwa noch mehr Pommes auf seinen Teller? Der ist doch schon so fett. Außerdem bleibt dann nichts mehr für mich übrig. Geht das nicht schneller?“

Hoppla. War das wirklich ich? Hat Freud Recht und der Mensch ist ein durch und durch triebgesteuertes Wesen? Ein Schweinehund, dessen Gedanken nur um die Arterhaltung und Machtgelüste kreisen? Es sieht ganz so aus. Viele unserer Gedanken entspringen Sehnsüchten und Abneigungen primitivster Art: Freude erleben, Schmerz vermeiden.

Der Geist hat absolut keinen Stolz
(Joseph Goldstein)

Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich. Bullshit!

Die Unfähigkeit das eigene Denken anzuhalten, ist eine schlimme Krankheit, ein lästiger Juckreiz im Strom der Evolution. Aber wir sehen das nicht so, wir halten es für normal. Wir identifizieren uns mit dem eigenen Verstand.

Der Philosoph Descartes glaubte im Denken die wichtigste Wahrheit gefunden zu haben. „Ich denke, also bin ich.“ In Wahrheit hat er damit den grundlegendsten Irrtum geschaffen, dem immer noch Millionen Menschen auf den Leim gehen. Er setzte Identität mit dem Denken gleich.

Der Verstand ist ein hervorragendes Instrument, wenn er richtig benutzt wird. Er ist ein Werkzeug zur Planung und Umsetzung von Zielen. Bei falschem Gebrauch kann er allerdings destruktiv werden. Denn eigentlich gebrauchst du deinen Verstand nicht falsch. Er gebraucht dich. Das ist der Wahnsinn und die Erkenntnis. Das Instrument hat die Führung übernommen. In Wirklichkeit sind 80 bis 90% des Denkens nicht nur nutzlos, sondern destruktiv. Und die meisten Menschen richten dabei das Schwert gegen sich selbst.

Dabei sollten sie sich bewusst machen, wie viel Energie in ihnen steckt. Einstein hat in seiner Formel e=mc2 bewiesen, dass Masse und Energie austauschbare Begriffe sind. In unseren Körpern steckt also so viel geballte Energie, um die Welt locker aus den Angeln zu heben. Aber die wenigsten nutzen sie.


Bild privat: Jeder Fortschritt ist abhängig von der Intensität der Bemühungen. Am Anfang sollte das Sitzen in der Meditation eine Zeremonie sein, eine besondere Frist, dazu bestimmt die Intensität der Praxis zu steigern. Wer seinen Geist ins All schießen will, muss zuerst das Ritual beherrschen.

Diese Art zwanghaften Denkens ist eine Sucht. Was charakterisiert eine Sucht? Du weißt nicht mehr, dass du die Wahl hast, damit aufzuhören. Etwas scheint stärker zu sein als du. Es bedeutet, dass du dein Selbstbild aus dem Inhalt und den Aktivitäten deines Verstandes beziehst. Du glaubst, es würde dich nicht mehr geben, wenn du dein Denken ignorieren würdest.

Ich denke, also bin ich – wir identifizieren uns mit unserem Verstand, unserem logischen Denken, unseren Wünschen, unseren Gewohnheiten, unseren Ängsten und Sorgen. Doch die zweite Lektion, die der Meditierende lernt, ist die, das dies nicht so ist. Wir sind nicht unsere Gedanken. Wir sind nicht unsere Probleme, wir sind auch nicht unsere Wünsche und nicht unsere Ängste. Wir sind nicht Lassie, die nur spielen will. Und diese Erkenntnis ist befreiend. Sie ist der erste Schritt in Richtung Freiheit. Denn solange wir uns unbewusst und automatisch mit der Sprunghaftigkeit unseres Denkens identifizieren, kommen wir gar nicht auf die Idee, dass uns unser wahres Wesen verborgen bleiben könnte.

Das Problem unserer Gedanken ist, dass wir den daraus resultierenden und unbewussten Handlungsimpulsen permanent nachgeben. Statusmeldungen in sozialen Netzwerken werden reflexartig kommentiert, dabei sind 90% der Informationen, die in unseren Geist vordringen, nutzlos, wenn sie nicht unmittelbar benötigt werden. Genau wie zu viel Essen ungesund ist, sind auch zu viele Informationen ungesund. Die Meditation ist also eine wirkungsvolle Maßnahme, die den Medien und anderen Menschen den Zugriff auf deinen Geist erschweren.

Du bist nicht deine Gedanken

Freiheit beginnt, wenn du erkennst, dass du mit dem Verstand, dem Denker, der dich in einem permanent beschäftigten Zustand festhält, nicht identisch bist. Diese Erkenntnis befähigt dich, den Denker zu beobachten. Du erkennst, dass es eine höhere Intelligenz jenseits des Denkens gibt und dass dein Denken nur einen winzig kleinen Aspekt dieser Intelligenz ausmacht.

Du erkennst, dass alles, was dem Leben wahren Wert verleiht – Schönheit, Liebe, Kreativität, Spaß – seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat. Und und wenn du leuchtende Momente erfährst, dann sind diese in der Regel nicht dem Denken geschuldet. Sie kommen aus der Tiefe deiner Intuition in dein Bewusstsein und durchfluten dich mit einem solchen Glücksgefühl, wie ein Orgasmus.

Fazit

„Nach ein paar Wochen kam ich auf meine zwanzig Minuten. Und je konzentrierter ich war, desto gleichmäßiger wurde mein Atem. Und je gleichmäßiger mein Atem, desto mehr Raum entstand zwischen den Gedankenwellen. Ich erkannte, dass meine Gedanken mit meinem Atem in Verbindung standen, wie Wellen mit dem Wind. War meine Atmung gezwungen, flach, panisch oder schnell, waren auch meine Gedanken zerstreut und außer Kontrolle. Wurde mein Atem ruhiger, so war es, als würde der Seewind allmählich abflauen. Die Wellen waren noch immer da aber sie rollten klarer heran und ließen genug Raum zwischen sich.“

In der ersten Meditationsphase wecken diese Einsichten ein ganz neues Gefühl von Weite, Freiheit und Gleichmut. Zugleich wird ein erster Eindruck einer völlig neuen Geistesart gewonnen. Es zeigt sich, dass unter dem Strom des gewöhnlichen sprunghaften Denkens tiefere geistige Schichten liegen: Intuition, Erkenntnis und Glück.

Das ist revolutionär: Es bedeutete, dass wir die Wahl haben. Gewaltige Sturmwellen haben uns im Griff: Angst, Wut, Zynismus und die Sehnsucht jemand anderes zu sein. All diese Wellen schlagen immer wieder über uns zusammen und lassen uns häufig keine Luft zum atmen. Doch wir können entscheiden, wie wir auf diese Sturmwellen reagieren. Wir können entscheiden, ob wir gegen sie kämpfen oder ob wir sie surfen – ob sie uns kontrollieren oder wir sie.

Wenn Wellen die Bewegung des Wasser sind und Gedanken die Bewegungen des Geistes, wäre es dann nicht sinnvoll, wenn jeder surfen und meditieren lernen würde?

Die Wiederholungspraxis liefert deinem inneren Beobachter eine neue Aussichtsplattform, ein solides Fundament, zu dem er immer wieder zurückkehren kann. Mit zunehmender Übung erlebst du, wie dein innerer Bibliothekar größer und stärker wird und auch außerhalb deines Meditationsraumes an Bewusstsein gewinnt.

Nachtrag

Dem Surfen werden spirituelle Kräfte nachgesagt. Nur in wenigen Sportarten trifft man mehr Menschen, die von Erlebnissen berichten, die man nur als göttlich bezeichnen kann. Französische Ärzte an der südfranzösischen Atlantikküste dürfen neuerdings Surfkurse als Therapie verschreiben. Die Surfhochburg Biarritz ist damit Vorreiter auf dem Gebiet der „richtigen Lebensführung“ auf Rezept. Surfen gilt nicht nur unter Bekehrten als Machtinstrument, um das eigene Leben mit Sinn und Flow aufzuladen. Mit der Tatsache, dass der Nutzen des Surfens jetzt auch therapeutisch eingesetzt werden darf, ist endgültig bestätigt, was Insider längst wissen.
Quelle: https://surfersmag.de/news/international-news/aerzte-in-biarritz-duerfen-surfkurse-verschreiben.html

Der Mensch ist ein Kraftwerk und die meisten begnügen sich damit, den Garten davor zu bestellen. Dabei haben wir alles, was wir brauchen, bereits in uns oder können es dort entfesseln.
(Dr. Christian Zippel)
Richte dich auf dein Inneres, dort findest du die Quelle des Guten, die nie versiegt, wenn du nur immer nachgräbst.
(Marc Aurel)

Weiterführende Literatur:
Eckard Tolle – Jetzt!
Jaimal Yogis – Surfing Buddha
Leider Geil, Fett & Faul – Dr. Christian Zippel

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Volker

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